Nr. 61 - Tierliebe
Herr Fritz: Ich muss gleich wieder weg, zum Flughafen.
Affolter: Nach Kloten?
Herr Fritz: Ins Belpmoos, dort landet eine Maschine der deutschen Bundeswehr.
Affolter: Ja, interessant, diese Transportmaschinen. Unsereiner hat solche Dinger nicht, wir haben Fusstruppen.
Herr Fritz: Ich hole die Kinder aus dem Gazastreifen ab.
Affolter: Ich habe gemeint, unser Kanton will keine.
Herr Fritz: Nicht Menschenkinder, ich rede von Hundekindern.
Affolter: Moment, Sie holen kleine Hunde auf unserem Flugplatz ab, die im Gazastreifen verletzt oder traumatisiert wurden?
Herr Fritz: So ist es. Oder glauben Sie, dort gäbe es nur Menschen, die bei den Bombardierungen verletzt oder getötet wurden?
Affolter: Nein, aber ich meine nur…
Herr Fritz: Oder sind für Sie Hunde im Gazastreifen weniger wert als Menschen?
Affolter: Ja, also…
Herr Fritz: Ausserdem ernten bei uns schwer verletzte Hunde mehr Mitleid als Menschenkinder.
Affolter: Jedenfalls hat der Kanton Bern die Aufnahme von verletzten Kindern aus Gaza abgelehnt.
Herr Fritz: Genau. Aber bei Hunden aus Gaza ist es offenbar weniger problematisch. Und wissen Sie weshalb?
Affolter: Die Berner Regierung befürchtet Demonstrationen?
Herr Fritz: Von Tierfreunden. Von denen gibt es nämlich mehr als Kinderfreunde.
Affolter: Gut, Kinderfreunde tönt etwas verdächtig.
Herr Fritz: Und pro aufgenommenem kleinen Hund dürfen vier Begleithunde mit.
Affolter: Aber unsere Berner Regierung hat keine Bedenken, dass Hundeterroristen eingeschleppt werden könnten?
Herr Fritz: Das nicht, die Angehörigen werden im Tierheim am Wohlensee untergebracht. Nur die Nachbarschaft hat vorsorglich Beschwerde bei der Fremdenpolizei angemeldet.
Affolter: Nun gut, die Vogelgrippe werden sie wohl kaum mitgebracht haben.
Herr Fritz: Die Eigentümerversammlung der Überbauung in der Nähe befürchtet nächtliches Gebell, und zwar auf Arabisch.
Affolter: Auf jeden Fall wünsche ich den Hundchen und ihren Familien alles Gute. Und Sie, wie kommen Sie ins Belpmoos?
Herr Fritz: Zu Fuss, wie jeder anständige Berner Sennenhund.
Affolter: Darf ich Sie begleiten, ich wohne ganz in der Nähe.
Herr Fritz: Gerne, mein Bundesweibel ist leider unabkömmlich.
Affolter: Hat er wieder einmal unseren Wirtschaftsminister in die Höhle des amerikanischen Löwen begleiten müssen?
Herr Fritz: Er wurde in die Baukolonne abkommandiert.
Affolter: Wird unser Bundeshaus schon wieder renoviert?
Herr Fritz: Unserem Herr Parmelin ist bei seiner abendlichen Asterix-Lektüre eine Idee gekommen.
Affolter: Stimmt, es heisst, bei dieser Gelegenheit spiesse unser Magistrat aus dem Waadtland meistens etwas Bedenkenswertes auf.
Herr Fritz: Sein Plan sieht so aus: Wenn der amerikanische Präsident diesen Winter dem WEF in Davos seine Aufwartung macht, wird ihn unser Bundesrat in corpore begrüssen.
Affolter: In corpore?
Herr Fritz: So ist es. Und man wird ihn danach nach Bern lotsen.
Affolter: Um ihm den Umbau im Marzili zu zeigen?
Herr Fritz: Um ihm den Friedensnobelpreis zu verleihen.
Affolter: Sind dafür nicht die Norweger zuständig?
Herr Fritz: So genau kennt sich dieser Mann aus Washington in Europa nicht aus, da spiele es keine Rolle, wo und wie man ihn bepreise.
Affolter: Auch wieder wahr.
Herr Fritz: Aber für diesen Festakt braucht es unbedingt einen Ballsaal.
Affolter: Jetzt wo Sie es sagen.
Herr Fritz: Zu diesem Zweck baut der Bund die Bellevue-Garage in einen Ballsaal um.
Affolter: Schön und gut, aber damit dieser Amerikaner aus dem Immobiliengewerbe mit seiner Holden das Tanzbein schwingen kann, muss der Bundesrat eine fetzige Musik bieten können.
Herr Fritz: Klar, in Anlehnung an seine grossen Verdienste für den Frieden im Nahen Osten bietet man ihm das Naheliegende:
Affolter: Und das wäre?
Herr Fritz: Die Hundekapelle aus Gaza.
Bern, 30. November 2025