AFFOLTERundHERRFRITZ
die Bundeshaussatire

Nr. 63 - Platzmangel

Herr Fritz: Hurra, Hurra und noch einmal Hurra.

Affolter: Um Gottes Willen, Herr Fritz, mit Ihrem Gebell und Herumgetolle machen Sie die Polizisten beim Eingang zum Bundeshaus noch ganz nervös.

Herr Fritz: Ich habe meinen Ausweis als Bundeshund immer bei mir.

Affolter. Das will ich hoffen.

Herr Fritz: Hoppsassa tirallalla.

Affolter: Was bringt Sie so in Wallung?

Herr Fritz: Mein Bundesweibel sagt, bei diesem grossartigen Sieg der SVP in unserem Kanton sollte man sich vorsorglich begeistert geben.

Affolter: Und wieso, wenn ich fragen darf?

Herr Fritz: Überlegen Sie: Wenn diese Partei mit den vielen währschaften Mannen einmal die Mehrheit erringt, wer bekommt das als erstes zu spüren?

Affolter: Die Landfrauen wohl eher nicht.

Herr Fritz: Die linken Hunde natürlich.

Affolter: So einer sind Sie?

Herr Fritz: Deshalb zeige ich mich lieber vorsorglich begeistert, man kann nie wissen.

Affolter: Darf ich Sie ein Bisschen von Ihrem Begeisterungsgebell befreien, lieber Herr Fritz?

Herr Fritz: Nur zu, ich bin schon etwas erschöpft.

Affolter: Also, um das Ungeheuerliche auszusprechen: Ihre Angstpartei ist auch nach diesen Wahlen bei der Bevölkerung eine quantité négligable.

Herr Fritz: Ich bitte Sie, die haben doch sieben Sitze fürsi gemacht und kommen auf einen Wähleranteil von 30 Prozent.

Affolter: 10.

Herr Fritz: Was 10?

Affolter: Wenn man vom Total der Wahlberechtigten ausgeht, hat diese Landpartei gerade einmal 10 oder bei viel gutem Willen 11 Prozent hinter sich gebracht.

Herr Fritz: Das ist nicht berauschend.

Affolter: So kann man sich täuschen. Ihre vorsorgliche Begeisterung ist also fehl am Platz.

Herr Fritz: Wenigstens konnte ich mich damit trösten, dass dieser Bichsel nicht gewählt wurde.

Affolter. Eben, beim Regierungsrat bleibt alles gleich.

Herr Fritz: Dabei habe ich mich schon etwas gewundert, dass dieser wunderbare Schriftsteller zur SVP übergelaufen ist.

Affolter: Doch nicht der Peter, der ist vor zwei Jahren gestorben.

Herr Fritz: Das tut mir aber leid.

Affolter: Der hier ist der Daniel aus Zollikofen.

Herr Fritz: Ich frage mich, ob der Denkmalpfleger der Stadt Bern eine schlaflose Nacht hinter sich hat.

Affolter: Was hat der mit dem Wahlresultat zu tun?

Herr Fritz: Man muss beim Rathaus jetzt anbauen.

Affolter: Das ist ein äusserst historisches Gebäude, da kann man nichts anbauen.

Herr Fritz: Und ob, es muss jetzt Platz haben für 51 SVPler.

Affolter: Im Grossen Rat hat es immer gleich viele, wenn von den einen mehr sind, sind dafür von anderen weniger.

Herr Fritz: Schon, aber jetzt bringen die 51 ihren Krempel mit, das braucht ungeheuer viel Platz.

Affolter: Die haben wie alle anderen eine Tasche, eine Mappe oder einen Rucksack bei sich, da wird der Ratsweibel doch noch Platz schaffen können.

Herr Fritz: Ich rede nicht von Taschen, sondern vom übrigen Krempel, den die rauflustigen Ratsherren und die paar Ratsdamen auf ihren Pickups mit sich führen.

Affolter: Krempel?

Herr Fritz: Hellebarden!

Bern, 6. April 2026