Affolter und Sieber, zwei ältere Herren, haben sich während fünf Jahren regelmässig auf dem Bundesplatz getroffen. Als reklamierende Rentner und notorische Besserwisser haben sie das Treiben im und ums Bundeshaus kommentiert. Nun hat sich Sieber verabschiedet und Affolter musste einen neuen Gesprächskumpanen finden.
In der letzten Folge von AFFOLTERundSIEBER ist Affolter auf einen interessanten Bundeshausinsider gestossen. Herr Fritz, ein Berner Sennenhund älteren Datums, lebt bei einem Bundesweibel und erweist sich als Connaisseur des Treibens in der Bundesstadt.
Viel Vergnügen bei Affolter und Herr Fritz, der regelmässig erscheinenden Polit-Satire vom Bundesplatz
Nr. 62 - Die Insel der Seligen
Affolter: Und, was gibt es Neues, mein bester Herr Fritz?
Herr Fritz: Sie zittern.
Affolter: Wer?
Herr Fritz: Die im Chalet fédéral.
Affolter: Wegen dem Trump?
Herr Fritz: Der Grund sind die Jurassier.
Affolter: Aber, die Jurafrage ist doch gelöst.
Herr Fritz: Mein Bundesweibel, er stammt aus Biel, hat mir klargemacht, dass im Jura noch lange keine Ruhe einkehren werde.
Affolter: Jetzt, wo sie in Moutier endlich das Jura-Kennzeichen an ihre staubigen Autos schrauben dürfen.
Herr Fritz: Man hätte es meinen können.
Affolter: Was wollen sie denn noch, etwa das Wankdorfstadion? Das kommt nicht in Frage.
Herr Fritz: Den Bielersee.
Affolter: Den Bielersee?
Herr Fritz: Also, um genau zu sein nicht den See, sondern die Insel.
Affolter: Die St. Petersinsel?
Herr Fritz: So ist es. Selbst der lässige Herr Jans hat mich gefragt, was er nun solle. Ihn rege es vor allem auf, dass seine Kollegin Baume-Schneider schweige, nur vielsagend lächle.
Affolter: Aber auf der Petersinsel ist doch nichts.
Herr Fritz: Das sagen Sie als Mensch. Ich als Hund sage Ihnen aber, dort gibt es Regenwürmer, Käfer, Stockenten – nicht zu vergessen die paar Ringelnattern, die im Sommer ihren Spass daran haben, die Sommerfrischler beim Landesteg zu erschrecken.
Affolter. Das mag ja sein, aber ich rede doch nicht von Würmern, sondern von Rohstoffen.
Herr Fritz: Genau um die geht es offenbar.
Affolter: Wollen die Jurassier dort nach Öl bohren?
Herr Fritz: Nicht bohren, pflücken.
Affolter: Jetzt ahne ich, worauf die hinauswollen.
Herr Fritz: Genau, es geht um ein paar Kräuter, die nur dort gedeihen sollen.
Affolter: Und daraus wollen die was fabrizieren?
Herr Fritz: Absinth.
Affolter: Das ist doch ein Fall für die Eidgenössische Alkoholverwaltung, nicht für den Bundesrat.
Herr Fritz: Spätestens, seit vor der Insel Schnellboote mit dem Jura-Kennzeichen aufgetaucht sind, sei es Zeit, dass der Bundesrat freudeidgenössische Massnahmen in die Wege leite.
Affolter: Honigsüsse Worte werden wohl kaum ausreichen, so wie die im Jura drauf sind.
Herr Fritz: Mein Bundesweibel hat mich ins Berner Rathaus geschickt, um die Stimmung im Regierungsrat auszuschnüffeln.
Affolter: Ein sehr geschickter Schachzug.
Herr Fritz: Also, Polizeidirektor Müller, der immer etwas angepisst wirkt, hat beim Knallfred im Monbijou einen Stock Böller bestellt, Frau Häsler vertraut auf ihr «Merci, merci, merci», der Neuhaus hat mir gesagt, er werde die im Jura schon «z Bode schnure» und der Ammann ist über dem Inseldossier eingeschlafen.
Affolter. Sehr betrüblich.
Herr Fritz: Das Evi ist unabkömmlich weil ein Termin im Nagelstudio, der Schnegg leitet einen Gottesdienst in seiner Freikirche und wer die Finanzdirektorin ist, weiss im Rathaus niemand.
Affolter: Jetzt hilft nur noch die ultimative Abschreckung.
Herr Fritz: Ich habe mich auch schon gefragt, ob man nicht den zwanghaft grinsenden Berner Bundesrat auf die Insel schicken könnte, als Einsiedler.
Affolter: Zu wenig krass. Da hilft nur der Gallier-Trick. Die haben doch seinerzeit zur Vertreibung der Normannen ihren Barden in Stellung gebracht.
Herr Fritz: Genau, Sie meinen sicher den…
Affolter: Gölä!
Bern, 25. Januar 2026