Affolter und Sieber, zwei ältere Herren, haben sich während fünf Jahren regelmässig auf dem Bundesplatz getroffen. Als reklamierende Rentner und notorische Besserwisser haben sie das Treiben im und ums Bundeshaus kommentiert. Nun hat sich Sieber verabschiedet und Affolter musste einen neuen Gesprächskumpanen finden.
In der letzten Folge von AFFOLTERundSIEBER ist Affolter auf einen interessanten Bundeshausinsider gestossen. Herr Fritz, ein Berner Sennenhund älteren Datums, lebt bei einem Bundesweibel und erweist sich als Connaisseur des Treibens in der Bundesstadt.
Viel Vergnügen bei Affolter und Herr Fritz, der regelmässig erscheinenden Polit-Satire vom Bundesplatz
Nr. 63 - Platzmangel
Herr Fritz: Hurra, Hurra und noch einmal Hurra.
Affolter: Um Gottes Willen, Herr Fritz, mit Ihrem Gebell und Herumgetolle machen Sie die Polizisten beim Eingang zum Bundeshaus noch ganz nervös.
Herr Fritz: Ich habe meinen Ausweis als Bundeshund immer bei mir.
Affolter. Das will ich hoffen.
Herr Fritz: Hoppsassa tirallalla.
Affolter: Was bringt Sie so in Wallung?
Herr Fritz: Mein Bundesweibel sagt, bei diesem grossartigen Sieg der SVP in unserem Kanton sollte man sich vorsorglich begeistert geben.
Affolter: Und wieso, wenn ich fragen darf?
Herr Fritz: Überlegen Sie: Wenn diese Partei mit den vielen währschaften Mannen einmal die Mehrheit erringt, wer bekommt das als erstes zu spüren?
Affolter: Die Landfrauen wohl eher nicht.
Herr Fritz: Die linken Hunde natürlich.
Affolter: So einer sind Sie?
Herr Fritz: Deshalb zeige ich mich lieber vorsorglich begeistert, man kann nie wissen.
Affolter: Darf ich Sie ein Bisschen von Ihrem Begeisterungsgebell befreien, lieber Herr Fritz?
Herr Fritz: Nur zu, ich bin schon etwas erschöpft.
Affolter: Also, um das Ungeheuerliche auszusprechen: Ihre Angstpartei ist auch nach diesen Wahlen bei der Bevölkerung eine quantité négligable.
Herr Fritz: Ich bitte Sie, die haben doch sieben Sitze fürsi gemacht und kommen auf einen Wähleranteil von 30 Prozent.
Affolter: 10.
Herr Fritz: Was 10?
Affolter: Wenn man vom Total der Wahlberechtigten ausgeht, hat diese Landpartei gerade einmal 10 oder bei viel gutem Willen 11 Prozent hinter sich gebracht.
Herr Fritz: Das ist nicht berauschend.
Affolter: So kann man sich täuschen. Ihre vorsorgliche Begeisterung ist also fehl am Platz.
Herr Fritz: Wenigstens konnte ich mich damit trösten, dass dieser Bichsel nicht gewählt wurde.
Affolter. Eben, beim Regierungsrat bleibt alles gleich.
Herr Fritz: Dabei habe ich mich schon etwas gewundert, dass dieser wunderbare Schriftsteller zur SVP übergelaufen ist.
Affolter: Doch nicht der Peter, der ist vor zwei Jahren gestorben.
Herr Fritz: Das tut mir aber leid.
Affolter: Der hier ist der Daniel aus Zollikofen.
Herr Fritz: Ich frage mich, ob der Denkmalpfleger der Stadt Bern eine schlaflose Nacht hinter sich hat.
Affolter: Was hat der mit dem Wahlresultat zu tun?
Herr Fritz: Man muss beim Rathaus jetzt anbauen.
Affolter: Das ist ein äusserst historisches Gebäude, da kann man nichts anbauen.
Herr Fritz: Und ob, es muss jetzt Platz haben für 51 SVPler.
Affolter: Im Grossen Rat hat es immer gleich viele, wenn von den einen mehr sind, sind dafür von anderen weniger.
Herr Fritz: Schon, aber jetzt bringen die 51 ihren Krempel mit, das braucht ungeheuer viel Platz.
Affolter: Die haben wie alle anderen eine Tasche, eine Mappe oder einen Rucksack bei sich, da wird der Ratsweibel doch noch Platz schaffen können.
Herr Fritz: Ich rede nicht von Taschen, sondern vom übrigen Krempel, den die rauflustigen Ratsherren und die paar Ratsdamen auf ihren Pickups mit sich führen.
Affolter: Krempel?
Herr Fritz: Hellebarden!
Bern, 6. April 2026