AFFOLTERundHERRFRITZ
die Bundeshaussatire

Nr. 60 - Es darf getrickst werden

Affolter: Sie wirken beschwingt, lieber Herr Fritz.

Herr Fritz: Ich habe heute Morgen den Test beim Hundeorthopäden bestanden.

Affolter: Jaja, bei grossen Hunden ist es im Alter mit den Gelenken so eine Sache.

Herr Fritz: Die Bundesverwaltung schickt alle Angestellten mit Repräsentationspflichten zur medizinischen Abklärung.

Affolter: Zum Glück war dieser Stier am Schwingfest kein Bundesangestellter.

Herr Fritz: Genau das ist der Grund, weshalb man mich zur Beinkontrolle geschickt hat.

Affolter: Was Sie nicht sagen.

Herr Fritz: Man hat dem Bullen aus Glarus hinterher unterstellt, er sei ein Simulant.

Affolter: Der hat mir nur schon wegen seines idiotischen Namens leidgetan.

Herr Fritz: Das ist halt, wenn sich der Sponsor Zigerbutter im besten Licht zeigen will.

Affolter: Also, Sie sagen, diesem Zibu kam man beim Simulieren auf die Schliche.

Herr Fritz: Ich habe einen verwandten Sennenhund in Glarus, der hat den Stier – er heisst übrigens mit richtigem Namen Jeremias – auf seinem Bauernhof besucht, und zwar bevor das mit dem ESAF richtig losging.

Affolter: Jeremias?

Herr Fritz: Erfahrene Kühe geben ihren männlichen Jungen alttestamentarische Namen.

Affolter: Alle Achtung.

Herr Fritz: Also, der Stier Jeremias hat meinem Cousin erklärt, er habe ja nichts dagegen, wenn sich junge Männer mit Übergewicht an die Hose greifen…

Affolter: Sehr tolerant.

Herr Fritz: … aber er wolle mit dem Spektakel nichts zu tun haben.

Affolter: Natürlich.

Herr Fritz: Er wisse ganz genau, dass es unter den potenziellen Siegern mindestens einen hätte, der von Beruf Metzger sei.

Affolter: Diese Aussicht ist für einen Stier in der Tat beunruhigend.

Herr Fritz: Also habe er sich, als ein Preisrichter anrückte, etwas schräg hingestellt.

Affolter: Ein sehr geschickter Schachzug.

Herr Fritz: Und der Mann aus dem schönen Emmental habe sofort den Bauern zitiert und ihm ins Gesicht gesagt: «Dä Cheib het ja ä chrumme Scheiche!».

Affolter: Da kennen sie nichts, die Emmentaler.

Herr Fritz. Damit war unser Jeremias aus dem Spiel.

Affolter: Sein Nachfolger, dieser Zibu 2.0, hat sich offenbar nicht rechtzeitig ungünstig hingestellt.

Herr Fritz: Wie hat dieser gute Russe gesagt? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Affolter: Oder der Metzger.

Herr Fritz: Apropos zu spät, ich muss mich beeilen.

Affolter: Wartet der Herr Bundesweibel auf Sie?

Herr Fritz: Wir müssen Flugblätter verteilen, auf dem Bärenplatz.

Affolter: Hoppla, geht der Bund unters Volk?

Herr Fritz: Die Bevölkerung ist beunruhigt wegen dieser russischen Drohnen.

Affolter: Damit ist nicht zu spassen.

Herr Fritz: Nun hat der Bund eine Handlungsanweisung, was beim Auftauchen von diesen fliegenden Russen zu tun ist.

Affolter: Ein Tarnnetz spannen, wie wir das im WK wochenlang geübt haben?

Herr Fritz: Nein, sofort ein Bein schrägstellen.


Bern, 12. Oktober 2025