AFFOLTERundSIEBER
der satirische Polit-Blog

Eine Dreiecksgeschichte

Sieber: Sind wir eigentlich auch Künstler?

Affolter: Wer?

Sieber: Wir zwei.

Affolter: Nun ja, wir sind immerhin im letzten Dezember in der Mupppet-Show* aufgetreten.

Sieber: Das war toll. Gut, dann gehen wir als Künstler durch und holen uns die halbe Million.

Affolter: Hast du ein Suva-Los gekauft?

Sieber: Nein, wir bewerben uns für die Dreiecksgeschichte.

Affolter: Herzlichen Dank, für solche Spässe bin ich zu alt und zu gebrechlich.

Sieber: Die Kunstkommission des Bundesparlaments lädt ein zur Gestaltung des Dreiecks.

Affolter: Ah so. Ja das tönt sehr seriös, aber auch langweilig. Geometrie... ich weiss nicht.

Sieber: An der Nordfassade des Bundeshauses, das ist die, die auf den Bundesplatz geht, gibt es oben ein Dreieck, das der Architekt Auer seinerzeit leer gelassen hat.

Affolter: Das ist mir noch nie aufgefallen. Und das will man jetzt füllen? Womit denn?

Sieber: Ich weiss es auch nicht, aber auf jeden Fall ist eine halbe Million Franken zu gewinnen...

Affolter: Aber, warum will man das dort oben nicht einfach leer lassen. Bisher hat doch dieses Dreieck kein Schwein interessiert?

Sieber: Im Bundeshaus hat man herausgefunden, dass in zwei Jahren das 175-Jahre-Jubiläum der Bundesverfassung gefeiert werden muss.

Affolter: Und dafür gibt es ein gefülltes Dreieck am Bundeshaus?

Sieber: Die Idee des Parlaments ist, dass man mit dem Dreieck, der halben Million, die Künstler  unterstützen will, die nicht mehr auftreten dürfen, weil Corona ist.

Affolter: Sehr nobel. Vor einem Jahr war das Pflegepersonal dran, dem man fünf Minuten von Balkon aus geklatscht hat. Und jetzt profitieren die Künstler.

Sieber: Die Aktion ist gut überlegt. Man füllt das Dreieck am Bundeshaus und kann von der Peinlichkeit der Bundesverfassung ablenken.

Affolter: Meinst du, weil man sie den Amerikanern abgeschrieben hat?

Sieber: Ich meine, weil dort steht, Männer und Frauen seien gleich.

Affolter: Also, das ist doch heute die Norm.

Sieber: Eben nicht, die Gleichstellung der Geschlechter ist auch nach 175 Jahren noch nicht erfüllt.

Affolter: Gut, so 175 Jahre gehen halt schnell vorbei in der Schweiz.

Sieber: Unsere Nachbarländer ertrugen in dieser Zeitspanne Revolutionen, Kriege, Verwüstungen.

Affolter: Und bei uns ging die Zeit vorbei wie im Flug: spanische Grippe, Generalstreik, die Landi in Zürich, Vico Torriani singt "Alles fährt Ski", dann im Fernsehen der Teleboy und schliesslich gewinnt der Roger Federer Wimbledon. Und vorbei sind 175 Jahre. Da darf man wohl auf Verständnis hoffen, dass die Gleichstellung noch Anfangsschwierigkeiten hat.

Sieber: Dann wäre doch wohl eine grosse Schnecke als Schmuck für dieses Dreieck passend.

Affolter: Da bin ich strikt dagegen. Ich hasse Symbolik mit dem Holzhammer. Schnecke, Schneckentempo, Bundespolitik, ich befürchte sowieso, dass die Kunstkommission das Künstlerduo AFFOLTERundSIEBER kaum ans Dreieck lässt.

Sieber: Warum nicht?

Affolter: Wir gehören nicht zu den arrivierten Künstlern. Uns haftet eher etwas Unseriöses an, und das wäre für diese Kunstkommission eine Provokation.

Sieber: Wie wäre es dann mit einem Spruch von Mani Matter?

Affolter: Du meinst den: «S’länge für z Spränge paar Seck Dynamit...»?

Sieber: Geht gar nicht. Das ist noch provokativer.

Affolter: Tatsächlich? Ich hab's. Das ist die Idee, die uns die halbe Million einbringt.

Sieber: Hammer. Und was schlagen wir vor?

Affolter: Wir lassen das Dreieck... leer.

* Siehe Beitrag "Impfen für die Muppets"

26. Februar 2021