AFFOLTERundHERRFRITZ
die Bundeshaussatire

Nr. 59 - Die Vielflieger

Herr Fritz: Sprechen Sie nicht zu laut, ich habe Kopfweh.

Affolter: Das ist die Hitze.

Herr Fritz: Nein, das Team Switzerland.

Affolter: Die Frauen-EM ist doch vorbei.

Herr Fritz: Das Team Switzerland tritt nicht gegen den Ball. Das sind die Bundesräte und ein paar Wirtschaftsführer, die zwischen Bern und Washington hin und her fliegen.

Affolter: Die können einem leidtun.

Herr Fritz: Gestern sind sie um Mitternacht im Belpmoos gelandet. Alle im Umkreis von zehn Kilometer waren wieder wach.

Affolter: Ich bewundere die Arbeitsmoral von Herrn Parmelin und Frau Keller-Sutter.

Herr Fritz: Eine halbe Stunde später haben sie im Bundeshaus randaliert.

Affolter: Was Sie nicht sagen.

Herr Fritz: Türen wurden geschlagen, Aktenordner rumgeschmissen und Parmelin hat alle Kraftausdrücke aus seiner täglichen Asterix Lektüre zum Besten gegeben.

Affolter: Aber die Finanzministerin hat sich sicher diskreter ausgedrückt.

Herr Fritz: Ich habe versucht, die Lage mit freundlichem Gebell etwas aufzuheitern, aber da sind Worte in lautem Ton gefallen…

Affolter: Harsche Worte?

Herr Fritz: Ich kann sie in Anwesenheit eines Gentlemans unmöglich wiederholen. Ich frage mich, wo die Dame diese Ausdrücke herhat.

Affolter: Vermutlich aus dem Mädchenpensionat.

Herr Fritz: So wird es wohl sein. Auf jeden Fall war es bei mir vorbei mit dem Schlaf.

Affolter: Bei mir hilft ein Glas Wasser.

Herr Fritz: Ich habe mich am Vorrat des Bundesweibels mit den Alkoholika zu schaffen gemacht.

Affolter: Eine kleine Mahlzeit hätte vielleicht etwas Erleichterung gebracht.

Herr Fritz: Das habe ich auch gedacht und die Kartoffelspeise aufgegessen, die mir der Herr Parmelin in den Fressnapf geschmissen hat.

Affolter: Ist der jetzt auch noch unter die Köche gegangen?

Herr Fritz: Er beabsichtigte, Trump als Zeichen der guten Dienste eine typisch schweizerische Kartoffelspeise zu kredenzen.

Affolter: Dabei sind die nicht einmal bis zur Tiefgarage des Weissen Hauses vorgestossen, geschweige denn ins Oval Office.

Herr Fritz: Deshalb hat unsere wütende Bundespräsidentin nach ihrem mitternächtlichen Wutanfall unseren Energieminister aus dem warmen Bett in Uetendorf geklingelt.

Affolter: Damit dieser statt der Kartoffelspeise in Washington gut Wetter macht?

Herr Fritz: Sie hat dem Bärt in ziemlich rauem Ton erklärt, er sei ja der Lieblingsschweizer von diesem Trump.

Affolter: Sie hat auf seinen Auftritt vor einer Schulklasse angespielt, weil er den Schülern erklärt hat, er würde Trump wählen?

Herr Fritz: Meines Wissens sind einige Schüler dieser Klasse immer noch in Therapie beim schulpsychologischen Dienst. Unser umtriebiger Energieminister will sich, so hat er seine Präsidentin beruhigt, sofort auf den Weg machen.

Affolter: Und er will den Trump zollmässig tatsächlich umstimmen?

Herr Fritz: Er will bei seinem Besuch mit dem Präsidenten gleich in die freie Natur und ihm sein Geschenk präsentieren.

Affolter: Er will mit ihm auf seinen Golfplatz in New Jersey?

Herr Fritz: Wenn ich das Telefongespräch richtig verstanden habe, gehe er mit Herrn Trump in den Rosengarten vor dem Weissen Haus. Dort habe er das Modell des Projekts aufgestellt, mit dem er ihn beschenken wolle.

Affolter: Aber nicht eine überlebensgrosse Kartoffelspeise?

Herr Fritz: Nein, eine sechsspurige Autobahn.


Bern, 19. August 2025