AFFOLTERundHERRFRITZ
die Bundeshaussatire

Nr. 57 - Alle weg

 Affolter stieg aus dem Tram und überquerte den Bärenplatz. Er war sich sicher, dass er vor ein paar Wochen auf dem Bundesplatz einem sprechenden Hund begegnet war. "Ein sprechender Hund? Wie bei Loriot?" hatte seine Frau gefragt und die Augenbrauen hochgezogen. Dieser hier, ein netter älterer Berner Sennenhund, habe sich zumindest ihm gegenüber in flüssiger Sprache geäussert, verteidigte er sich. Auf jeden Fall sei sie einigermassen gespannt, was er nach seinem nächsten Besuch auf dem Bundesplatz zu berichten wisse, schloss seine Frau das Thema ab.
Affolter hatte sich vorgenommen, sich beim Restaurant Fédéral draussen an ein Tischchen zu setzen und zu warten, ob der Hund, der sich bei ihrem ersten Zusammentreffen als "Herr Fritz" vorgestellt hatte, irgendwo auf dem Platz zu sehen wäre. Vielleicht würde er zusammen mit seinem Bundesweibel an der Leine einen kleinen Spaziergang unternehmen. Tatsächlich hatte sich der Hund bereits neben das äusserste Tischchen gesetzt, also auf ihn gewartet, denn er nickte und verzog seine Schnauze zu einem Lächeln, als Affolter, wie es sich gehörte, fragte, ob hier noch frei sei.

Affolter: Aha, Sie haben Ihr Getränk schon serviert bekommen, wie ich sehe.

Herr Fritz: Ein netter Mann, dieser Kellner, er bringt mir immer einen Napf mit Wasser. Mit einem Schuss Brandy drin.

Affolter: Natürlich. Was gibt es Neues drüben im Bundeshaus?

Herr Fritz: Es ist wenig los, die meisten sind aushäusig.

Affolter: Das haben Sie schön gesagt. Und warum sind die unterwegs, die Damen und Herren des Bundeshauses.

Herr Fritz: Mein Bundesweibel meint, die Schweiz müsse neuerdings überall erklärt werden.

Affolter: Stimmt, früher war unser Land mit den Stichworten 'Viel Geld, wenige Fragen' schnell abgehandelt.

Herr Fritz: Der Bundespräsidentin und dem Wirtschaftsminister bin ich seit Wochen nicht mehr begegnet.

Affolter: Unsere Finanzministerin ist immer irgendwo zwischen den USA und unserer schönen Schweiz in der Luft unterwegs.

Herr Fritz: Oder sie ist am Telefon. Deshalb wackelt sie neuerdings auch immer so mit dem Kopf, wenn sie im Fernsehen erscheint.

Affolter: Was Sie nicht sagen. Gut, man kann es sich so erklären: Am Telefon mit dem Präsidentenpapst muss sie dauernd "Yes, Sir" in den Apparat hauchen...

Herr Fritz: Als Übersetzerin von Beruf ist sie halt eine geübte Yes Sir-Sagerin.

Affolter: Und gleichzeitig denkt sie: "Wie oft muss ich dem Tropf noch sagen, dass ich nicht die Finanzministerin von Schweden bin?".

Herr Fritz: Das bringt auch die härteste Sankt Gallerin ins Kopfwackeln.

Affolter: Wissen Sie etwas über unseren lieben Wirtschaftsminister, der tut mir nämlich ein bisschen leid.

Herr Fritz: Gestern habe ich ihn in die Sprachschule an die Aarbergergasse begleitet.

Affolter: Mein Gott, er kann doch Französisch.

Herr Fritz: Englisch-Intensivkurs. Die Feinheiten der Sprache Shakespeares sind wichtig. Wenn der Parmelin mit Trump wegen den reziproken Zölle verhandelt und dieser ihm sagt: "Kiss my ass", kann der Parmelin als galanter Waadtländer doch nicht stattdessen Trumps Hand küssen.

Affolter: Jaja, die Zeitenwende ist voller Tücken. Aber was ist eigentlich mit diesem Bauern aus St. Gallen, der einmal Bundesrat werden wollte, den sieht man plötzlich auch nicht mehr.

Herr Fritz: Nun gut, ich habe ihn ge...

Affolter: Ums Gottes Willen, Sie haben den doch nicht etwa gebissen?

Herr Fritz: Nein nein, nur ganz leicht gezwickt. Er ist mir auf die Nerven gegangen. Dauernd hat der mir auf den Kopf getätschelt und etwas von "Du fauler Berner" gequäkt.

Affolter: Natürlich, jeder Bernburger hat seinen Stolz, auch wenn er vier Pfoten hat.

Herr Fritz: Wie wahr. So, ich muss, mein Bundesweibel wartet drüben.

Affolter: Sehe ich das richtig, neben Ihrem Mann steht der Glarner.

Herr Fritz: Den müssen wir in eine Therapie bringen, im Auftrag der staatspolitischen Kommission.

Affolter: Der Ärmste, was muss man bei dem therapieren?

Herr Fritz: Das Immunsystem

Bern, 30. Mai 2025