AFFOLTERundSIEBER
der satirische Polit-Blog

Zugegeben, alte weisse Männer sind gerade nicht angesagt: zu alt, zu weiss, zu nervig. Kurz, einfach unmöglich. Dennoch melden sich AFFOLTERundSIEBER zu Wort, und zwar deutlich. Aus Lust an der Kritik und aus Ärger über die herrschenden Zustände. Als da unter anderem wären: die Macht der Konzerne, die Hilflosigkeit der Politik, die Zumutungen des Alltags. Und natürlich auch die grässliche Fröhlichkeit der RadiomoderatorInnen.

Freuen Sie sich auf überraschende Dialoge von AFFOLTERundSIEBER. Schalten Sie ein, wenn es wieder heisst: "Jetzt reden wir".

Nr. 29 - Bern "bi de Lüt"

Affolter: Am Wochenende ist die SVP "bi de Lüt".

Sieber: Was für "Lüt" und wo?

Affolter: In der Kramgasse, am Bärner Stadtfest, wie sich der Anlass nennt. 

Sieber: Gut, da geh ich hin. 

Affolter: Ich auf keinen Fall. 

Sieber: Ich diskutiere gern mit der SVP, wenn sie "bi de Lüt" sind. 

Affolter, Tu, was du nicht lassen kannst. Ich halte den Anlass gesamthaft für eine Zumutung. 

Sieber: Dir fehlt der Blick fürs Positive. Sommer, Bern, Musik, Herz, was willst du mehr. 

Affolter: Schon ein Blick auf dieses OK sagt alles, eine Reihe von bürgerlichen B-Politikern, alles Grüss-Auguste.

Sieber: Die machen immerhin etwas für unsere Stadt. 

Affolter: Genau, statt Patent Ochsner oder Züri West dürfen Oesch's die Dritten die Gassen beträllern. 

Sieber: Gut, das Berner Symphonieorchester im Marzili wäre mir auch lieber .

Affolter: Und Francine Jordi verdrückt eine Träne auf Reisen" auf dem Bundesplatz. Auf dem Bundesplatz! Ich bitte dich!

Sieber: Du bist ein Griesgram. Diesmal ist das Bern-Fest halt eher etwas für die Leute vom Land.

Affolter: Ich will keine Leute vom Land in der Stadt Bern.

Sieber: Nicht?

Affolter: Nein. Ich will mein cooles urbanes Bern zurück, mit veganen Pop Up-Restaurants, schrägen Bands, die noch keiner kennt auf dem Viktoriaplatz und auf dem Bundesplatz singt Polo Hofer.

Sieber: Der ist aber tot. 

Affolter: Mir egal, an einem Bern-Fest hat Polo Hofer aufzutreten, und damit basta. 

Sieber: Jetzt wird's mir zu spiritistisch. Ich muss sowieso nach Hause, meinen Koffer packen.

Affolter: Aha, der Herr verreist mit dem Flugzeug in die Sommerferien.

Sieber: Ich fahre mit dem Zug nach Lugano, zu dieser Ukraine-Konferenz, die Bundespräsident Cassis ausrichtet.

Affolter: Du und Cassis in Lugano?

Sieber: Ich vertrete dort die mutige Schweiz, eine Schweiz, die nicht zögert, sondern die Ukraine bedingungslos unterstützt. 

Affolter: Du wirst bestimmt verhaftet. 

Sieber: Wenn die Staatskarossen vorbeifahren, halte ich mein Transparent hoch. "Waffen für die Ukraine". 

Affolter: Viel Vergnügen, die Tessiner Polizei soll mit Leuten, die ihrem Cassis ins Handwerk pfuschen, nicht zimperlich umgehen. 

Sieber: Ich sage ja: jetzt ist Mut gefragt, nicht Nörgelei. 

Affolter: Und wer geht an diesem Bern-Fest in die Kramgasse zur SVP "bi de Lüt"?

Sieber: Du. Mit deiner empörten, missmutigen und auf rotgrün fixierten Laune verweisen die dich gleich an den übernächsten Stand. 

Affolter: Wieso nicht an den nächsten?

Sieber: Am Stand neben der SVP ist die FdP, mit dem Slogan "Mit der FdP hoch hinaus".

Affolter: Um Gottes Willen. 

Sieber: Danach kommt die SP. Und die werden dir einen Überblick auf ihre Wahllisten verschaffen, SP-Frauen, SP-Männer, SP-Gewerkschaften, SP-Transmenschen, SP-Pöschteler...

Affolter: Da gehe ich hin, jetzt erkenne ich meine rotgrüne Stadt wieder. 

Bern, 24. Juni 2022

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