AFFOLTERundSIEBER
der satirische Polit-Blog

Zugegeben, alte weisse Männer sind gerade nicht angesagt: zu alt, zu weiss, zu nervig. Kurz, einfach unmöglich. Dennoch melden sich AFFOLTERundSIEBER zu Wort, und zwar deutlich. Aus Lust an der Kritik und aus Ärger über die herrschenden Zustände. Als da unter anderem wären: die Macht der Konzerne, die Hilflosigkeit der Politik, die Zumutungen des Alltags. Und natürlich auch die grässliche Fröhlichkeit der RadiomoderatorInnen.

Freuen Sie sich auf überraschende Dialoge von AFFOLTERundSIEBER. Schalten Sie ein, wenn es wieder heisst: "Jetzt reden wir".

Nr. 50 - Auf und davon

 Sieber: Mich sieht man hier in nächster Zeit nicht mehr oft.

Affolter: Du kannst beruhigt sein, der Bundesplatz wird jetzt doch nicht verkauft.

Sieber: Darum geht es nicht: ich trage mich mit dem Gedanken auszuwandern.

Affolter: Wohin willst du wandern?

Sieber: Aus.

Affolter: Ist es dort schöner?

Sieber: Nicht unbedingt, aber weniger eng.

Affolter: Eng? Wir sind noch nicht in Mumbai.

Sieber: Aber schon bald, sieh dich doch um.

Affolter: Ich sehe einen ziemlich leeren Bundesplatz und ein paar Märitstände.

Sieber: Warte nur ab, zuerst kommt der Graniummärit, dann fallen auch noch die Touristen ein. Immer wenn sie fotografierend vor dem Zytglogge herumgestanden sind, muss noch dem Bundesplatz ein Besuch abgestattet werden.

Affolter: Wenn unsere Vorfahren nicht auf den Fremdenverkehr gesetzt hätten, wären wir ein Volk von Geisshirten und Bergheuern geblieben.

Sieber: Die konnten damals ja nicht wissen, dass hundert Jahre später asiatische Horden mit ihren Smartphones den Bundesplatz verstopfen.

Affolter: Das tönt mir ziemlich nach Gejammer über die 10-Millionen-Schweiz.

Sieber. Keineswegs. Ich rege mich einfach auf, wenn ich beim Einkaufen in der Altstadt von reichen Asiaten zur Seite gerempelt werde.

Affolter: Da gehst du am besten in die Apotheke und verlangst Doktor Blochers Beruhigungspastillen. Die wirken garantiert gegen ein diffuses Engegefühl.

Sieber: Tatsächlich?

Affolter: Die Werbung zu diesem Wundermittel zeigt übrigens ein herziges Pärchen, genannt Sarah und Nils.

Sieber: Ich weiss nicht, ob mich ausgerechnet die Begegnung dieses Paars mit Rechtsextremisten dazu bewegen kann, dieses Medikament einzunehmen.

Affolter: Was heisst hier 'ein paar Rechtsextremisten'? Die junge Strategiechefin einer seriösen Bundesratspartei trifft einfach einen Herrn Sellner aus unserem schönen Nachbarland Österreich.

Sieber: Der Bursche hat doch in der Schweiz ein Auftrittsverbot, oder?

Affolter: Siehst du, schon einer weniger, der dir mit seiner Anwesenheit in unserem Land dieses unangenehme Engegefühl verursacht.

Sieber: Ich finde das alles ziemlich unappetitlich.

Affolter: Junge Menschen treffen im Ausgang halt viele Leute. Da ist es unmöglich, bei Hinz und Kunz einen Gesinnungstest zu machen.

Sieber: Dieser Sellner aus dem schönen Österreich hat sich immerhin zum Thema 'Remigration' geäussert, und zwar ausführlich und unmissverständlich. Da kann doch die sogenannte Chefstrategin der Jungen SVP nicht behaupten, sie wisse von nichts.

Affolter: Ja, das ist erstaunlich. Aber jetzt kommen Doktor Blochers Beruhigungspastillen ins Spiel.

Sieber: Und die sollen sofort wirken?

Affolter: Auf der Stelle. Aber nur in Kombination mit Doktor Blochers Verständnispulver.

Sieber: Das ist aber eine richtige Rosskur. Wofür ist dieses Pülverchen?

Affolter: Nach der Einnahme hat man volles Verständnis für die Parteijugend. Weil: die muss sich auch bei Rechtsextremisten austoben dürfen.

Sieber: So oder so, für diesen Sellner mit seinem Konzept habe ich gar kein Verständnis.

Affolter: Das hoffe ich doch sehr.

Sieber: Remigration ist eine Sauerei, aber mit Retourismus könnte ich mich anfreunden.

Affolter: Achtung, jetzt wird es eng. Dort drüben kommen sie vom Zytglogge her, die Leute aus China, Indien, Saudi-Arabien...

Sieber: Genau deshalb haue ich jetzt ab nach Südfrankreich.

Affolter: Und wen triffst du dort an?

Sieber: Leute wie du und ich.

Affolter: Und woher kommen die? Aus Paris?

Sieber: Natürlich aus der Schweiz.

Bern, 5. Mai 2024

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