AFFOLTERundHERRFRITZ
die Bundeshaussatire

Affolter und Sieber, zwei ältere Herren, haben sich während fünf Jahren regelmässig auf dem Bundesplatz getroffen. Als reklamierende Rentner und notorische Besserwisser haben sie das Treiben im und ums Bundeshaus kommentiert. Nun hat sich Sieber verabschiedet und Affolter musste einen neuen Gesprächskumpanen finden.

In der letzten Folge von AFFOLTERundSIEBER ist Affolter auf einen interessanten Bundeshausinsider gestossen. Herr Fritz, ein Berner Sennenhund älteren Datums, lebt bei einem Bundesweibel und erweist sich als Connaisseur des Treibens in der Bundesstadt.

Viel Vergnügen bei Affolter und Herr Fritz, der regelmässig erscheinenden Polit-Satire vom Bundesplatz

 

Nr. 64 - Zu viele Haufen

Herr Fritz: Dort drüben ist schon wieder einer.

Affolter: Eine Touristengruppe?

Herr Fritz: Ein Hund.

Affolter: Richtig, ich glaube es ist ein Jack Russell.

Herr Fritz: Der hat auf dem Bundesplatz nichts zu suchen.

Affolter: Die sieht man in unserem Land oft.

Herr Fritz: Es gibt zu viele.

Affolter: Jack Russell?

Herr Fritz: Nicht nur. Wie mein Bundesweibel sagt, gibt es in der Schweiz über eine halbe Million Hunde.

Affolter Ist das viel?

Herr Fritz: In den Sechzigern kamen die Pudel, dann tauchten Foxterriers auf, Pinscher, Labradore, nicht zu vergessen die Rottweiler.

Affolter: Und die Dackel.

Herr Fritz: Die waren schon immer da. Die dürfen natürlich bleiben.

Affolter: Sie meinen, Hunde, die schweizerisch bellen, sind willkommen.

Herr Fritz: Wir sind einfach zu viele. Wenn das so weiter geht, sind es in fünf Jahren eine Million.

Affolter: Zugegeben, das klingt nach einer ganzen Menge.

Herr Fritz: Und neuerdings werden von Frauen mit Bemutterungsdrang noch all die gestörten Strassenhunde aus Osteuropa ins Land gebracht.

Affolter: Tatsächlich scheint mir das eine vornehme Aufgabe fürs Staatssekretariat für Migration zu sein.

Herr Fritz: Wissen Sie, was eine halbe Million Hunde pro Tag total für Haufen hinterlassen? Mein Bundesweibel hat das einmal ausgerechnet.

Affolter: Hm.

Herr Fritz: Es sind 300 Tonnen, pro Tag!

Affolter: Allerdings dürfen Sie nicht vergessen, dass wir eine gehörige Portion Wertschöpfung den Hunden zu verdanken haben.

Herr Fritz: Das wäre mir neu.

Affolter: Kürzlich habe ich im Radio gehört, in der Schweiz würden pro Jahr rund 50’000 Tonnen Hundefutter verbraucht.

Herr Fritz: Mein Bundesweibel sagt, er vertraue Informationen, die aus dem Radio kämen, nur bedingt.

Affolter: Dann ist er wohl eher ein Verschwörungstheoretiker. Lügenpresse und so.

Herr Fritz: Das nicht. Ich glaube, ihn regen die Dialekte auf, die die Moderatoren sprechen.

Affolter: Dann soll er sich doch einfach an die Moderatorinnen halten.

Herr Fritz: Auch die würden neuerdings diese komischen Dialekte hinausposaunen.

Affolter: Wir sind eben ein kleinräumiges Land.

Herr Fritz: Er meint die aus dem Thurgau, dem Urnerland oder so. Warum können die nicht einfach Berndeutsch reden, fragt er.

Affolter: Wenn die Informationen mit den 50’000 Tonnen Hundefutter im Schweizer Radio von einem fröhlichen Moderator in Berndeutsch ausgestrahlt würden, würde er die Information glauben?

Herr Fritz: Selbstverständlich.

Affolter: Nur so zum sagen: Ihr Hundekollege, der mit einem Berner Polizisten den Eingang zum Bundeshaus bewacht…

Herr Fritz: Was ist mit dem?

Affolter: Das ist, wenn ich es richtig sehe, ein Schäfer, und zwar ein deutscher.

Herr Fritz: Das ist eine Sauerei. Wenn Sie vor dem Eingang stehen, dann werden Sie deutsch angebellt.

Affolter: Er wird doch nicht etwa Tach sagen.

Herr Fritz: Ey Mann, spinnst du, hau ab, zieh Leine, oder ich schmier dir eine. So tönt das heutzutage in unserer Hundewelt, und das auf dem Bundesplatz.

Affolter: Sie sollten sich beschweren.

Herr Fritz: Das hat der Verband der Schweizer Hunderassen selbstverständlich gemacht.

Affolter: Und?

Herr Fritz: Keine Chance, man hat herumgedruckst, da könne man nichts machen. EU und so.

Affolter: Sie meinen, wenn das so weitergeht…

Herr Fritz: Werden wir im schönen Schweizerland bald nur noch von deutschen Hunden angepöbelt.

Affolter: Komisch, das alles habe ich doch schon einmal gehört.

Herr Fritz: Wir Schweizer Hunde haben einfach zu wenig Platz.

Affolter: Apropos Platz, drüben beim Fédéral ist ein Tischchen frei geworden.

Herr Fritz: Prima, der nette Kellner aus Bosnien hat den Fressnapf mit kühlem Berner Wasser sicher schon bereitgestellt.

Affolter: Wenn wir schon gerade dabei sind: Wissen Sie, woher eigentlich die Berner Sennenhunde stammen?

Herr Fritz: Natürlich aus dem Emmental, Dürrbachgraben, Oberfrittenbach, diese Gegend.

Affolter: Nicht ganz.

Herr Fritz: So?

Affolter: Aus der Türkei.

Bern, 30. Juni 2026

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