AFFOLTERundSIEBER
der satirische Polit-Blog

Zugegeben, alte weisse Männer sind gerade nicht angesagt: zu alt, zu weiss, zu nervig. Kurz, einfach unmöglich. Dennoch melden sich AFFOLTERundSIEBER zu Wort, und zwar deutlich. Aus Lust an der Kritik und aus Ärger über die herrschenden Zustände. Als da unter anderem wären: die Macht der Konzerne, die Hilflosigkeit der Politik, die Zumutungen des Alltags. Und natürlich auch die grässliche Fröhlichkeit der RadiomoderatorInnen.

Freuen Sie sich auf überraschende Dialoge von AFFOLTERundSIEBER. Schalten Sie ein, wenn es wieder heisst: "Jetzt reden wir".

Nr. 49 - Alles wird rechts

 Sieber: Hast du die Karte mit meinen guten Wünschen bekommen?

Affolter: Das schon, aber...

Sieber: Geburtstagspost in handschriftlicher Form ist jetzt in den besseren Kreisen gerade angesagt.

Affolter: Dein Gekrakel war unleserlich.

Sieber: Das kann ich erklären.

Affolter: Ich kann doch nicht zum Graphologen rennen, nur weil du jetzt auf chic machst.

Sieber: Ich bemühe mich eben, so viel wie möglich mit der linken Hand zu schreiben. Für einen Rechtshänder gar nicht einfach. Ausserdem gebe ich zur Begrüssung die linke Hand, wie ein Pfadfinder.

Affolter: Hast du rechts Gicht?

Sieber: Keineswegs. Ich protestiere gegen den um sich greifenden Rechtsdrall.

Affolter: Wer drallt bei uns nach rechts?

Sieber: Zum Beispiel die Türe beim Haupteingang des Bundeshauses. Es gibt rechte Nationalräte, die sich an der Linksdrehung der Tür stören.

Affolter: Da kann doch diese arme Drehtür nichts dafür. Sie ist halt renoviert worden und geht jetzt eben wie alle Drehtüren nach links auf.

Sieber: In einem Vorstoss wollte ein Herr Glarner aus dem Aargau wissen, weshalb der Eingang die Besucher mit einer Linkswendung einlässt.

Affolter: Man könnte ja als Kompromiss zwei Türen anbringen, für die Linken dreht die eine nach links, für die Rechten eine nach rechts.

Sieber: Bestechende Idee, aber viel zu teuer. Nicht nur soll die Tür wieder nach rechts drehen, sie muss auch schusssicher sein.

Affolter: Man kann alles übertreiben.

Sieber: Im Gegenteil, es ist dringend nötig: ein Kompagnon von diesem Glarner aus dem Aargau verlangt im Berner Kantonsparlament, dass die Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse im Umgang mit Schiesswaffen unterrichtet werden.

Affolter: Klar, der Lehrplan gibt das her.

Sieber: Wir sind doch nicht in Russland!

Affolter: Beim Erlernen des Umgangs mit dem Sturmgewehr 21 geht es um Selbstkompetenz in herausfordernden Situationen.

Sieber: Ich wehre mich standhaft gegen diesen Rechtsruck.

Affolter: Dann freut es dich sicher, was mir ein befreundeter Journalist als neustes Gerücht ins Ohr geflüstert hat.

Sieber: Köppel übernimmt die WOZ?

Affolter: Die Linkstür beim Bundeshaus erhält nächstens eine nicht unbedeutende Auszeichnung.

Sieber: Sicher so ein durchgeknallter Architekturpreis.

Affolter: Viel besser. Sie wird aufgenommen ins UNESCO-Weltkulturerbe.


Bern, 24. März 2024

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