AFFOLTERundSIEBER
der satirische Polit-Blog

Zugegeben, alte weisse Männer sind gerade nicht angesagt: zu alt, zu weiss, zu nervig. Kurz, einfach unmöglich. Dennoch melden sich AFFOLTERundSIEBER zu Wort, und zwar deutlich. Aus Lust an der Kritik und aus Ärger über die herrschenden Zustände. Als da unter anderem wären: die Macht der Konzerne, die Hilflosigkeit der Politik, die Zumutungen des Alltags. Und natürlich auch die grässliche Fröhlichkeit der RadiomoderatorInnen.

Freuen Sie sich auf überraschende Dialoge von AFFOLTERundSIEBER. Schalten Sie ein, wenn es wieder heisst: "Jetzt reden wir". 

Heute zum Thema:

Abstimmen im Sonderangebot: halbe Stimmen zum halben Preis

Sieber: Also, für den 13. Juni habe ich so meine Bedenken.

Affolter: Jaja, die Durchführung der Fussball-EM hat ihre Tücken.

Sieber: Am 13. Juni ist das Abstimmungswochenende. Fussball ist später.

Affolter: Natürlich. Worum geht es genau? Ich habe etwas den Überblick verloren.

Sieber: Bauern und Terrorismus..

Affolter: Oha, greifen die jetzt schon zu den Waffen?

Sieber: Das nicht. Den Bauern geht es um das Verhindern von mehr Naturschutz und dem Bundesrat um weniger gefährliche Islamisten.

Affolter: Sehr übersichtlich.

Sieber: Um genau zu sein: es wird abgestimmt über die Pestizid-Initiative, die Trinkwasser-Initiative, das Covid-Gesetz, das CO2-Gesetz und eben die Sache mit dem Terrorismus.

Affolter: Oje, das Fuder ist überladen, wie man in unseren Parlamenten mit den vielen Bauernvertreter/-innen jeweils zu sagen pflegt. 

Sieber: Das ist halt Demokratie, alle haben etwas zum Ablehnen. Die Bauern bodigen die Gewässerschutz-Initiativen, die Querdenker das Covid-Gesetz, die Erdöl- und Autolobby das CO2-Gesetz und die linken Jungparteien die Terrorismus-Vorlage.

Affolter: Fein, da ist nachher wieder Ruhe im Karton und Sascha Ruefer kann ungestört über die Fussball-EM parlieren. 

Sieber: Wobei, ich frage mich , ob immer alle über alles abstimmen müssen.

Affolter: Der Souverän ist nun mal der Souverän. Fällt mir gerade auf, dass es vom Souverän keine weibliche Form gibt, Souveränin habe ich noch nie gehört.

Sieber: Es gäbe schon eine Lösung und zwar: nicht jeder und jede hätte eine Stimme, manche  zwei und andere wiederum eine halbe oder noch weniger. 

Affolter: Das wird aber sehr unübersichtlich. 

Sieber: Das lässt sich alles lösen. Also, stell dir vor: die Bauern erhalten für alle Vorlagen, die sie direkt betreffen, nur eine halbe Stimme. Sie sind ja schliesslich Nutzniesser. Wer ein Auto besitzt, darf bei Umweltvorlagen nur mit einer Viertelstimme votieren, es sei denn, man gewinnt das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Affolter: Dafür kriegen Kinder ab 12 Jahren zwei Stimmen, es geht ja bei jeder Vorlage um ihre Zukunft. Ausserdem hat kürzlich ein ETH-Professor vorgeschlagen, den über Achtzigjährigen nur noch eine halbe Stimme zu gewähren. Die haben ja keine grosse Zukunft mehr vor sich.

Sieber: Und was machen wir mit den Schützen, ähm, und den Schützinnen?

Affolter: Welche Schützen? Und was sind Schützinnen?

Sieber: Frauen, die schiessen.

Affolter: Da bin ich aber froh, dass du nicht "Flintenweiber" gesagt hast, da hätten wir uns grosse Probleme eingehandelt. 

Sieber: Wie dem auch sei: es geht um die Leute, die am Eidgenössischen Schützenfest 2021 teilnehmen.

Affolter: 2021? In diesem Jahr? Trotz Corona?

Sieber: Genau. Auch in diesem Jahr gibt es ein Eidgenössisches Schützenfest, als einzige grosse Festivität weit und breit.

Affolter: Und wo findet diese Ballerei statt?

Sieber: Dezentral, jeder Schützenverein für sich. Und dann werden die Treffer zusammengezählt und nach Bern oder Brugg oder weiss wohin geschickt, dorthin eben, wo dann ausgezählt wird  und dann gibt es einen Kranz oder so etwas.

Affolter: Einen Kranz? Gibt es bei einem Schützenfest auch Begräbnisse?

Sieber: Einen Lorbeerkranz gibt es, als Auszeichnung. Oder so etwas Ähnliches, ich bin auch kein Schützenfestspezialist.

Affolter: Das wäre also geklärt, und was hat das mit Abstimmungen zu tun?

Sieber: Schützen und Schützinnen erhalten einen Bonus von einer zusätzlichen Stimme für die nächste Abstimmung, wenn sie die Patrone, mit der sie an einem stillen Sonntagmorgen aus dem Schützenhaus knallen, eigenhändig wieder einsammeln und der Metallsammlung zuführen.

Affolter: Toll. Das Schiessproblem hätten wir also gelöst.

Sieber: Kommt mir in den Sinn, dieser Politologe aus Bern, wie heisst er doch gleich, Mutter?

Affolter: Vatter.

Sieber: Richtig, Vatter. Der hat auch schon gemeint, das Ständemehr, das jede Initiative von links hochkant verhindert, könnte man lösen, indem man den kleinen Kantonen nur eine halbe Standesstimme zugesteht. 

Affolter: Wunderbare Idee. Und um das Ständemehr zu verändern, braucht es wiederum das Ständemehr. Das ist alles sehr kompliziert. Dafür ist es bubieinfach, was ich am 13. Juni stimmen werde. 

Sieber: Tatsächlich?

Affolter: Klar, 5 x Ja.

31. Mai 2021

Frühere Beiträge

Von den Influenza zu den Influenzern und zurück

Ein Traum von einer Monarchie

Die Diktatur der Gespenster

und viele mehr...